Kinderbetreuung in der Corona-Krise

Aus aktuellem Anlass:

Die Corona-Krise ist beispiellos in der Geschichte und hat uns alle überrascht. Angestellte, Selbständige, aber auch Arbeitgeber und Regierung stehen komplexen Problemen und müssen einschätzen, welche Maßnahmen helfen, schaden – oder wirkungslos sind. Die Auswirkungen auf unsere Wirtschaft sind heute noch nicht absehbar.

Vor besonderen Herausforderungen stehen dieser Tage berufstätige Eltern. Durch die verordnete Schließung von Kindergärten und Schulen und das Kontaktverbot fallen fast alle Betreuungsmöglichkeiten weg, und ich habe in den letzten Wochen mit vielen zunehmend verzweifelten Eltern gesprochen, die nicht mehr weiter wissen. Aus diesen Gesprächen entstand die Idee, Praktiken und Lösungen zu sammeln und mit allen Interessierten zu teilen.

 Was Arbeitgeber tun können

  1. Homeoffice. Momentan ein aufgrund der Situation häufig gelebtes Modell.
  2. Arbeitszeitmodelle maximal flexibel gestalten. Arbeiten in Sprints oder Schichten; bei internen und externen Stakeholdern darf man besonderes Verständnis erwarten.
  3. Zusatzurlaub. Es gibt Arbeitgeber, die ihren angestellten Eltern ein Kontingent an bezahltem Zusatzurlaub für die Kinderbetreuung einräumen.
  4. Abbau von Überstunden oder die Erlaubnis erteilen, Minusstunden zu machen.
  5. Kulanter Umgang mit unbezahltem Urlaub. Hier gilt jedoch zu beachten, dass der/ die Mitarbeiter/in nach mehr als vier Wochen unbezahltem Urlaub die Kosten der Sozialversicherung übernehmen muss.
  6. Steuerfreie Corona-Sonderprämie. Vom 01.03.2020 bis zum 31.12.2020 können Arbeitgeber die Möglichkeit einer steuerfreien Einmalzahlung in Höhe von 1.500,00€ für Arbeitnehmer (nähere Informationen hier) nutzen.

 Was Arbeitnehmer tun können

  1. Kleingruppen zur Betreuung bilden, sofern das im Rahmen des Kontaktverbotes machbar ist. Wichtig ist, die Bezugspersonen nicht wechseln zu lassen.
  2. Die Zahl nichtstaatlicher Initiativen nimmt täglich zu. Für computerinteressierte Kinder ab 11 Jahren bietet z. B. die Hacker School Online-Kurse an.
  3. Auch außerhalb systemrelevanter Berufsgruppen gibt es die Möglichkeit einer Kindernotfallbetreuung (nähere Informationen hier). Dabei gibt es auch kreative Ansätze zum Umgang mit dem Kontaktverbot, zum Beispiel Online-Kinderbetreuung. Hier sind einige Berliner Anbieter, die in der Corona-Situation Lösungen anbieten:

Die Hokify-Nachbarschaftshilfe bietet zudem aktuell kostenlose Inserate für Kinderbetreuungsgesuche an. Wer sein Kind für einen kürzeren Zeitraum, zum Beispiel für ein Meeting, online betreuen lassen will, kann auf das derzeit kostenlose Angebot von nona.care zurückgreifen.

Was der Staat tut

  1. Verdienstausfall-Entschädigungen für Eltern mit Kindern unter 12 Jahren. Für den Zeitraum vom 30.3.2020 bis zum 31.12.2020 können 67% des Verdienstausfall wegen behördlicher Schließung der Betreuungsstätten geltend gemacht werden (nähere Informationen hier).
  2. Für systemrelevante Berufsgruppen steht eine staatliche Notfallbetreuung zur Verfügung. Leider fällt die Definition des Begriffs „systemrelevant“ von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich aus.
  3. Gebühren für Kindergärten und -tagesstätten, die aufgrund des Infektionsschutzgesetzes geschlossen wurden, können in fast allen Bundesländern zurückgefordert werden.
  4. Für Familien mit einem Familien-Haushaltseinkommen bis zu ca. 2.400 netto gibt es die Möglichkeit eines Notfall-Kinderzuschlages („Notfall-KiZ“).

 Eine Übersicht über alle Möglichkeiten der staatlichen Unterstützung bei der Kinderbetreuung findet ihr hier.

…Weitere Ideen? Schreibt mir gerne, damit ich diese Sammlung aktualisieren kann. Oder teilt sie direkt unter dem Hashtag #mitkindernzuhause.

 Alles Liebe und bleibt gesund, Corinna

Spielplatz 2 19.04.2020